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Stadtumbau in Thüringen

Das Problem sinkender Einwohnerzahlen im Freistaat und die Zunahme der Wohnungsleerstände gefährdet die soziale Stabilität und Funktionsfähigkeit der Städte. Die Wohnungsunternehmen stehen durch den zunehmenden Leerstand von nicht nachgefragten Wohnungen vor besonderen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen. Diese Entwicklung war für das ehemalige Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Medien frühzeitig Anlass zu gezieltem Handeln.

Seit der Auflage des Bund-Länder-Förderprogramms "Städtebauliche Weiterentwicklung großer Neubaugebiete" im Jahr 1993 wurden im Freistaat erste Planungen und Maßnahmen zur Wiedergewinnung eines quantitativen und qualitativen Gleichgewichts zwischen Wohnungsnachfrage und Wohnungsangeboten gefördert. Mit fortschreitender Entwicklung wurden auch die übrigen Programme der Städtebauförderung verstärkt im Sinne gesamtstädtischer Stadtumbaustrategien eingesetzt. Dabei wird nach wie vor ein Schwerpunkt auf die Aufwertung der historisch gewachsenen Innenstädte als wesentliches Identifikationsmerkmal ihrer Bewohner gesetzt. Mit der Thüringer Innenstadtinitiative und der Initiative "Genial Zentral"engagiert sich der Freistaat mit zusätzlichen, ausschließlich landesfinanzierten Förderprogrammen. Aber auch der Rückbau von nicht mehr vermietbaren Wohnungen wurde in einem Programm des Landes zur Wohnungsmarktstabilisierung unterstützt.

Inzwischen hatte der Bund durch die Auflage des mit langfristiger Finanzierungsperspektive ausgestatteten Programms "Stadtumbau Ost" und mit der Durchführung des gleichnamigen Bundeswettbewerbs eine Basis für integrierte Stadtumbauprozesse geschaffen. Mit der Fortsetzung des Programms "Stadtumbau-Ost" kann in Thüringen zusammen mit den komplementären Mitteln des Freistaats zunächst bis zum Jahr 2016 von einem gesicherten Fördervolumen ausgegangen werden. Perspektivisch sollen die Förderprogramme Stadtumbau Ost und Stadtumbau West zusammengelegt werden. Eine entsprechende Evaluierung wird derzeit durchgeführt.

Bundeswettbewerb Stadtumbau Ost
Am Bundeswettbewerb im Jahr 2002 hatten bei insgesamt 261 eingereichten Stadtentwicklungskonzepten 37 Thüringer Städte und Gemeinden teilgenommen.
Die Städte Leinefelde und Rossleben hatten in ihrer jeweiligen Bewertungsgruppe den ersten Preis gewonnen, die Entwicklungskonzeption der Stadt Sondershausen wurde mit dem zweiten Preis gewürdigt. In die engere Wahl wurden die Städte Artern, Lobenstein und Zeulenroda eingeordnet.

Unabhängig von der Bewertung der Wettbewerbsbeiträge durch die Jury ist festzuhalten, dass durch den Bundeswettbewerb ein erheblicher planerischer Fortschritt in der Entwicklung von kommunalen, städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Konzepten zum Stadtumbau erreicht werden konnte. Damit sind fast flächendeckend in Thüringen die Voraussetzungen für die Einleitung und Umsetzung zielführender Maßnahmen des Stadtumbaus geschaffen worden.

Begleitforschung zum Stadtumbau
Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen mit der Umsetzung von Stadtumbau- und Rückbaukonzeptionen unter Schrumpfungsszenarien. Der Freistaat ist der Überzeugung, dass der breitangelegte Prozess des Stadtumbaus einer intensiven Beobachtung und Unterstützung insbesondere hinsichtlich der zielführenden Wirkung von Strategien und Maßnahmen sowie der Förderprogramme und des Fördermitteleinsatzes bedarf.
Aus diesem Grunde wurde eine Begleitforschung initiiert, die unter der Federführung der Stadt Leinefelde-Worbis den Fortschritt des Stadtumbaus in Thüringen kontinuierlich auswerten und die Ergebnisse in einen intensiven Erfahrungsaustausch mit den Programmstädten und dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft einbringt. Beauftragt wurde im Ergebnis eines Verhandlungsverfahrens nach europaweiter Ausschreibung eine Arbeitsgruppe (AG), in der die Fachrichtungen Stadt- und Landschaftsplanung, Architektur, Wohnungswirtschaft, Sozialplanung, Technische Infrastruktur und Umwelt vertreten sind.

In Rahmen des Thüringer Landesmonitoring zum Stadtumbau werden seit dem Jahr 2002 von 42 Programmkommunen (dabei alle Thüringer Städte über 10.000 Einwohner) sowie ca. 200 Monitoringgebieten in diesen Programmkommunen regelmäßig Daten zu verschiedenen Themenbereichen erfasst und mit Daten anderer Quellen (z.B. Agentur für Arbeit, vtw, TLS, TLVwA) auf verschiedenen räumlichen Ebenen in einem gesonderten Datenpool beim Thüringer Landesamt für Statistik gesammelt und ausgewertet. Seit 2013 werden auch die Daten aus dem elektronischen Monitoring des Bundes genutzt. Durch eine Datenharmonisierung beider Erfassungssysteme werden die Kommunen entlastet und gleichzeitig Informationsgewinne erreicht. In den regelmäßig erscheinenden Monitoringberichten wird es nunmehr möglich, die langjährige Entwicklung der Stadtumbauprozesse in Zeitreihen darzustellen und auch die Wirkung verschiedener Einflussgrößen zu interpretieren. Im Zusammenspiel regelmäßig veranstalteter Zusammenkünfte u.a. zu aktuellen Schwerpunkten und Problemstellungen im Rahmen des Stadtumbaus wird ein horizontaler und vertikaler Erfahrungsaustausch zwischen allen Beteiligten, die Optimierung der kommunalen Stadtumbaustrategien und Maßnahmen sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Politik der Städtebauförderung des Freistaats ermöglicht.

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Monitoringbericht 2015
Der nunmehr sechste Monitoringbericht der Begleitforschung dokumentiert die Entwicklung des Stadtumbaus in Thüringen seit seinem Beginn im Jahre 2002 und benennt künftige Herausforderungen.
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Stadtumbaubroschüre
Stadtumbau in Thüringen Herausforderungen, Wege, Ergebnisse Zwischenbilanz
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Stadtumbaukonferenz 2014
Die nunmehr zehnte Stadtumbaukonferenz hat am 21. August in Greiz (Oberes Schloss) stattgefunden. Themenschwerpunkte waren die IBA und der Stadtumbau in Thüringen. Einladungsflyer mit Programm, Teilnehmerliste und Präsentationen finden Sie hier zum Download.
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Monitoringbericht 2013
Der nunmehr fünfte Monitoringbericht der Begleitforschung gibt eine Zwischenbilanz des Stadtumbaus in Thüringen seit seinem Beginn im Jahre 2002 und benennt künftige Herausforderungen bis 2030.
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